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Tagsüber, bei geschlossener Kuppel und geschlossenen Rolldächern, sieht das Observatório Cerro Armazones eher wie ein Sonnen- und Windkraftwerk denn wie eine Sternwarte aus.
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Flaggschiff der OCA-Sternwarte ist der 1,5-Meter-Reflektor. Er hat keine übliche äquatoriale oder azimutale Montierung, sondern ruht auf sechs Teleskopbeinen. Diese werden per Computer so ausgefahren, dass das "Hexapod-Teleskop" in die gewünschte Richtung schaut.
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Eta Carinae ist einer der hellsten Lichtpunkte am Südhimmel, eingebettet in einen weitläufigen Nebel. Die Helligkeit schwankt sehr stark, vermutlich handelt es sich um einen Doppelstern, der bald als gewaltige Supernova explodiert.
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Die grüne Sternwarte in der Wüste

Viele Projekte der Astronomen erfordern astronomisch viel Beobachtungszeit. Dass die an den großen mehrfach überbuchten internationalen Sternwarten kostbar ist, muss die Forscher der Ruhr-Universität Bochum allerdings gar nicht stören: Im eigenen Observatorium in der chilenischen Atacamawüste können sie sich die Zeit nehmen. Dort trifft in diesen Tagen das fünfte Teleskop für spezielle Infrarotaufnahmen ein.
Das Astronomische Institut der Ruhr-Universität (AI-RUB) betreibt schon seit einiger Zeit in der chilenischen Atacamawüste das Observatório Cerro Armazones, OCA. Die Forscher führen dort so genannte Variabilitätsmessungen durch, für die ihnen an den großen internationalen Observatorien - wie dem nahe gelegenen Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte ESO - nicht genügend Zeit zur Verfügung steht. Viele, wenn nicht gar die meisten Objekte am Himmel sind in geringem oder großen Umfang variabel, sie verändern ihre Helligkeit. Dies gilt für Sterne genau so wie für Supernova-Explosionen oder die supermassereichen Schwarze Löcher in den Kernen aktiver Galaxien. Will man die Physik solcher Phänomene studieren, braucht man Zeit. Doch an den großen Observatorien wird etwa fünfmal mehr beantragt, als verfügbar ist.

So sind systematische Untersuchungen von Helligkeitsschwankungen völlig ausgeschlossen - denn diese können sich über Tage, Wochen und Monate erstrecken. Wie im Fall von Eta Carinae, der vielleicht massereichsten Sonne unserer Milchstraße. Allerdings wird vermutet, dass es sich um einen Doppelstern handelt, bei dem ein Begleiter den anderen in 5,2 Jahren umkreist. Im Januar 2009 befand sich der mutmaßliche Begleiter auf seiner Bahn genau zwischen Eta Carinae und der Erde. Dieses Ereignis konnten die Bochumer Astronomen über Wochen mit ihren eigenen Teleskopen verfolgen.

Die Auswertungen sind noch in vollem Gange, aber bereits jetzt deutet sich ein anderer Verlauf als bei dem letzten Durchgang des vermuteten Komplizen an: Die Aktivität des Systems ist auch Monate nach dem "Event" noch nicht vollständig abgeklungen. Weshalb Eta Carinae seinen Normalzustand bisher nicht wieder erreicht hat, ist derzeit noch offen.

Die Beobachtungsdaten - pro Nacht etwa zwanzig Gigabyte - werden tagsüber durch das Internet an die RUB transferiert und dort analysiert. Das Personal der Sternwarte ist in der Regel nur für Wartung und Installationen zuständig, gesteuert wird alles aus der Ferne. Neben den drei derzeitigen "online-Teleskopen" sollen zwei weitere, ein optisches, das sich bereits am Observatorium befindet und ein Infrarot-Teleskop, das in den nächsten Monaten dort installiert werden wird, im Laufe dieses Jahres ebenfalls den robotischen Betrieb aufnehmen. Für die dann anfallenden riesigen Datenmengen ist jedoch eine neue 70 Kilometer lange 1-Gigabyte-Glasfaserleitung nötig, die OCA und VLT schneller als bisher an das chilenische Internet anbinden. Mit der Verlegung der Glasfaserkabel durch die Atacamawüste wird demnächst begonnen.

Eine Besonderheit des RUB-Observatoriums: Es ist das weltweit einzige, das ausschließlich mit regenerativen Energien betrieben wird. So sorgen hundert Photovoltaik-Module und zwei Windräder, die sich Tag und Nacht drehen, für elektrische Energie, die in speziellen Batterien gespeichert wird. Auch die Abwärme des Rechnerraums bleibt nicht ungenutzt und heizt die Gebäude. Dies entlastet die zwei Solarthermen, die heißes Wasser liefern. Wollte man die gesamte Energiemenge mit dem Notstrom-Dieselgenerator erzeugen, müsste man täglich etwa 200 Liter Treibstoff verfeuern - ein Kostenfaktor von 70.000 Euro pro Jahr. Das OCA ist somit ein Konzept mit Beispielcharakter, auch wenn es sich nicht eins zu eins auf Großsternwarten wie das benachbarte VLT übertragen lässt - deren Energiebedarf ist rund hundertmal höher.

Quelle: RUB

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