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Ball / NASA, JPL / Caltech
Der mittelgroße Forschungssatellit WISE, der Wide-field Infrared Survey Explorer, umkreist die Erde immer über der Tag-Nacht-Grenze und schaut von ihr weg ins All. So kann er in einem halben Jahr das gesamte Firmament bei infraroten Wellenlängen kartieren und die Astronomen erwarten die Entdeckung vieler faszinierender Objekte.
Copyright: Ball / NASA, JPL / Caltech
NASA, JPL / Caltech
Der Infrared Astronomical Satellite IRAS kartierte 1983 erstmals den Himmel fast vollständig. Seine Auflösung betrug jedoch nur einige Bogenminuten. Trotzdem waren viele seiner Entdeckungen bahnbrechend, wie beispielsweise Staubscheiben um junge Sterne wie Wega.
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1996 konnte zehn Monate lang mit einem Instrument auf dem Militärsatelliten Midcourse Space Experiment MSX unter anderem die von IRAS noch nicht erfassten Himmelsbereiche kartiert werden - allerdings bei einer wesentlich besseren Auflösung, wie sie WISE nun vom kompletten Himmel anfertigen soll
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Infrarote Volkszählung

Ein neues NASA-Weltraumteleskop, der Wide-field Infrared Survey Explorer WISE, wird bei Wellenlängen im mittleren Infrarot den Himmel mit einer größeren Genauigkeit kartieren als alle vergleichbaren Missionen vor ihm. Dabei spürt es Asteroiden auf, Braune Zwerge, Trümmer von Kometen und beobachtet aktive Galaxien.
Während seiner Mission wird WISE mehr als eine Million Aufnahmen anfertigen und die Katalogisierung von hunderten Millionen Objekten ermöglichen. Die Beobachtungen finden in vier Bändern von 3,3 bis 24 Mikrometern statt. In diesem Wellenlängenbereich strahlen beispielsweise Asteroiden im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter, einfach aufgrund der Temperatur, die sie wegen der Erwärmung  durch Sonnenstrahlen annehmen. Gleiches gilt für das Band aus Staub, das sich durch die Ebene der Planeten zieht und das so genannte Zodiakallicht abgibt. Auch Bruchstücke von Kometen werden auf den Bildern von WISE auftauchen.

Außerhalb des Sonnensystems wird der Satellit vormals unbekannte Sterne aufspüren, die gerade entstehen und noch von der Scheibe aus Gas und Staub umgeben sind, in der sich später vielleicht Planeten bilden. Aber auch Braune Zwerge sind eines der Ziele; diesen massearmen "verhinderten Sternen" gelang es nur für sehr kurze Zeit, in ihrem Innern eine Kernfusion in Gang zu setzen, und das Schicksal dieser nur jupitergroßen Objekte ist es, einfach nur bis zum völligen Erfrieren vor sich hin zu kühlen. Lungert solch ein Zwerg vielleicht sogar näher an der Sonne herum, als das nächste Sternsystem, Alpha Centauri?

Auch wenn Infrarotstrahlung für das menschlich Auge unsichtbar ist, strahlen die leuchtkräftigsten Galaxien wahrscheinlich bei genau diesen Wellenlängen. Solche Ultra-Luminous Infra-Red Galaxies (ULIRGs) entstehen bei der Verschmelzung zweier Welteninseln. Dadurch wird das Gas und der Staub der beiden Kollisionspartner durcheinandergewirbelt und der Zusammenstoß setzt eine fast explosive Sternentstehung in Gang. Und nicht nur das: auch das zentrale supermassereiche Schwarze Loch bekommt wieder Futter und das Sternsystem zeigt sich als aktive Galaxie.

WISE wird auf einer "sonnensynchronen" Umlaufbahn die Erde umrunden, die über den Polen und entlang der Tag-Nacht-Grenze verläuft. Damit die Erde nicht bei den Aufnahmen stört, ist das Teleskop immer in die entgegengesetzte Richtung gewandt, ähnlich wie beim europäischen Satelliten Planck. Somit dauert es genau ein halbes Jahr, bis der gesamte Himmel einmal vollständig gescannt ist. Die Durchmusterung wird hundertmal so empfindlich sein wie die der Vorgänger IRAS (Großbritannien) und Akari (Japan) und eine große Anzahl von Zielen hervorbringen, die vom ESA-Weltraumteleskop Herschel dann gezielt beobachtet werden. Allerdings bei Wellenlängen im fernen Infrarot, einem Spektralbereich, für den die irdische Atmosphäre wegen ihres Wasserdampfs undurchlässig ist.

Die beiden Weltraumteleskope könnten viel unterschiedlicher nicht sein: WISE hat einen Teleskopspiegel von nur 40 Zentimetern - vergleichbar mit dem von Corot - der gesamte Satellit passt problemlos auf den Primärspiegel von Herschel, der einen Durchmesser von 3,5 Metern hat. WISE startete am 14. Dezember vor Sonnenaufgang an Bord einer Delta-Rakete von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien. Die Mission ist auf eine Gesamtdauer von zehn Monaten ausgelegt und wird unter anderem vom Jet Propulsion Laboratory der NASA aus betreut, wie auch der "Infrarotveteran", das Spitzer Space Telescope.

Quelle: NASA, JPL / UCLA / UC Berkeley

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