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ESA / AOES Medialab
Wie schon 2005 und 2007 holt Rosetta am Freitag, dem 13. 2009, zum dritten Mal Schwung durch einen nahen Vorbeiflug an der Erde. Nur so kann die Raumsonde genug Geschwindigkeit aufnehmen, um sich in viereinhalb Jahren an den Kometen "Tschuri" anzunähern und ihn von da an zu begleiten.
Copyright: ESA / AOES Medialab
ESA / OSIRIS Team
Am Abend des 6. November wurden die wissenschaftlichen Instrumente von Rosetta aktiviert, um Erde und Mond damit genau unter die Lupe zu nehmen. Dieses Foto des Erdtrabanten entstand aus dem 11-fachen Erde-Mond-Abstand, etwa 4,3 Millionen Kilometern.
Copyright: ESA / OSIRIS Team
ESA
Am 25. Februar 2007 holte Rosetta Schwung am Mars. Sie kam dabei bis auf 250 Kilometer an den Roten Planeten heran. Die Kamera des Landers Philae schoss dieses Foto entlang einem der Solarzellenausleger seines Mutterschiffs.
Copyright: ESA
ESA, D. Scuka
Der Kometenjäger Rosetta beschäftigte die Flugleiter am europäischen Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt zuletzt beim Vorbeiflug am Asteroiden Steins. Während der langen Flugphasen wird die Sonde in Winterschlaf versetzt.
Copyright: ESA, D. Scuka
MPS / ESA
Am 5. September 2008 sauste Rosetta am Asteroiden Šteins vorbei und untersuchte den etwa viereinhalb Kilometer großen Himmelskörper. Besonders fasziniert waren die Wissenschaftler von der Kette aus Einschlägen und dem Krater, der fast halb so groß ist, wie Šteins selbst.
Copyright: MPS / ESA
ESA / AOES Medialab
Im November 2014 wird die Rosetta-Sonde den Lander Philae auf Tschurjumow-Gerasimenko absetzen. Während sich das Dreigespann der Sonne nähert, wird der Komet Gase freisetzen, die eine Atmosphäre, die Koma, und letztendlich einen Schweif bilden.
Copyright: ESA / AOES Medialab

Zurück in die Zukunft

Auf Nimmerwiedersehen: Die europäische Kometensonde Rosetta holt ein letztes Mal Schwung an der Erde und lässt sich endgültig auf eine Bahn zum Rendezvous mit dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko katapultieren. Auf dessen Oberfläche soll sie in genau fünf Jahren den Lander Philae absetzen.
Noch ein halbes Jahrzehnt dauert die Reise des Schweifsternjägers der europäischen Weltraumorganisation ESA. Und fast genau so lange ist Rosetta schon unterwegs - eine Ariane-5-ECA-Rakete brachte das Raumfahrzeug im März 2004 auf den Weg. Seitdem hat sie 4,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt, umgerechnet 30-mal den Abstand von der Erde zur Sonne. Eigentlich war die Flugdauer kürzer ausgelegt und mit anderem Ziel: Der Start sollte bereits im Jahr davor stattfinden und die Sonde zum Kometen 46P/Wirtanen führen, wurde aber vorsichtshalber wegen Problemen mit den damals noch neuen Trägerraketen verschoben. Die Flugleiter mussten deshalb für den 3 mal 2 mal 2 Meter großen und beim Abheben drei Tonnen schweren Erkunder ein neues Untersuchungsobjekt wählen, das zu diesem Starttermin erreichbar ist. Es wurde 67P/Churyumov-Gerasimenko, so die internationale astronomische Schreibweise von "Tschuri".

Dieser hat eine lang gestreckte Umlaufbahn, die zwischen Erde und Jupiter verläuft. Damit Rosetta sich mit ihm auf halbem Weg treffen kann, muss die Sonde vier so genannte Gravity-Assist-Manöver ausführen, drei an der Erde und eines an Mars. Je nach Anflugwinkel kann ein Raumfahrzeug damit für Flüge ins innere Sonnensystem abgebremst werden - wie beispielsweise bei Messenger geschehen -, oder aber in Richtung äußere Planeten beschleunigt. Für diesen letzten Swingby ist Rosetta seit 22. Oktober auf dem endgültigen Kurs, eine weitere Bahnkorrektur am 5. November erwies sich als unnötig. Am Freitagmorgen wird die Sonde mit mehr als 13 Kilometern pro Sekunde von Australien auf ihre größte Erdannäherung zusteuern, diese wird um 8.45 Uhr unserer Zeit über Java im Osten des Indischen Ozeans erreicht. Der Abstand zum Boden beträgt dann gut 2400 Kilometer, das ist zwar höher als die Raumstation und etliche Forschungssatelliten, aber nur ein Fünfzehntel der Entfernung bis zu den geostationären Wetter- und Kommunikationssatelliten.

Rosetta wird dann über Afrika geschleudert und sich über der Karibik und Mexiko wieder von der Erde entfernen - dann aber rund dreieinhalb Kilometer pro Sekunde schneller als zuvor. Diese Geschwindigkeit reicht aus, um tief in den Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter vorzustoßen. Dort wird sie im Sommer nächsten Jahres am Planetoiden Lutetia vorbeizischen, ihn dabei kartografieren und mit ihren Instrumenten untersuchen. Ein ähnliches Treffen erfolgte auch schon im letztjährigen September: Die Sonde sauste damals mit 31.000 Sachen in 800 Kilometer Entfernung am Asteroiden Šteins vorbei.

Entsprechend schnell war die Aufregung vorüber und Rosetta wurde wieder in den Winterschlaf versetzt. Denn zum ersten Mal wurden für ein Raumfahrzeug, das jenseits der Marsbahn operiert, Solarzellen zur Stromversorgung eingesetzt. Wegen der großen Entfernung zur Sonne von mehr als einer Viertelmilliarde Kilometern und dem Energiebedarf von insgesamt elf wissenschaftlichen Instrumenten plus der Bordelektronik darf das Fahrzeug deshalb die bisher größten Solarauslegern sein eigen nennen - die Gesamtspannweite des Fahrzeugs liegt bei 32 Metern!

Aber nicht nur damit wird sich Rosetta in den Astronomiebüchern verewigen: Sie wird auch die erste Sonde sein, die als künstlicher Satellit einen Kometen umkreist und darüber hinaus noch im November 2014 auf dessen Oberfläche ein Landegerät absetzt. Dieses hört auf den Namen Philae, und wird auf Tschuri Bodenproben nehmen und sie analysieren. Der Komet wird sich in den Monaten darauf immer weiter der Erdbahn annähern und damit den sonnennächsten Teil seiner Bahn erreichen. Philaes Mutterschiff wird dann in der Lage sein, die Vorgänge auf seiner Oberfläche aus der besten Position zu beobachten, die sich Astronomen nur vorstellen können. Somit sind die Schweifsternforscher schon jetzt gespannt auf die Zukunft, die Rosetta ihnen eröffnet.

Quelle: ESA / DLR

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